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01.12.2011 | Kolping-Bildungswerk
Caritaspräsident Dr. Neher spricht beim Kolping-Gedenktag in Augsburg

Solidarität ist Fundament für eine funktionierende Gesellschaft


Ludwig Schmid, Vorsitzender des Kolping-Bildungswerkes und Sonja Tomaschek, Diözesanvositzende des Kolpingwerks konnten den Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes Dr. Peter Neher zu einem Vortrag am Kolping-Gedenktag begrüßen.

Zahlreiche Landtagsabgeordnete, Stadträte, Vertreter aus Kirche und anderen Verbänden und Kolpingmitglieder aus dem ganzen Bistum waren zum Vortrag "Solidarität ist das Fundament für eine funktionierende Gesellschaft" gekommen.

Die bemerkenswerte Bereitschaft zum sozialen Engagement und die hohe Spendenbereitschaft deutet der Caritaspräsident als positive Zeichen. Die Verbreitung von rechtsextremistischem Gedankengut unter dem Deckmantel des sozialen Engagements benennt er als ein Solidaritätsrisiko, dem die kirchlichen Verbände wie Kolping und Caritas präventiv entgegenwirken müssen. Als ein zweites Risiko für die Solidarität nennt er die Perspektivlosigkeit. Neher sagt: „Wir dürfen es uns nicht länger leisten, dass Kinder aus benachteiligten Familien in der Grundschule schon sagen, wenn man sie nach ihrer Zukunft frägt: „Ich werde Hartz IV!“ Er fährt fort: „Castingshows dürfen nicht die einzige Hoffnung für diese Kinder sein.“ Auch die Auswirkungen des demographischen Wandels und die Ansprüche und Anliegen von Menschen aus fernen Ländern nennt er als zwei weitere Risiken für die Solidarität. Er stellt fest: „Solidarität ist längst ein Begriff, der Generationen übergreift und weltweit durchzubuchstabieren ist.“

Familie und Pflege nennt Neher als zwei Bereiche, wo Solidarität heute besonders gefordert ist. In seinem Vortrag fordert er reale Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen als Voraussetzung für Chancengerechtigkeit. Dem Betreuungsgeld spricht er zwar die Stärkung der Familien beim Erziehungsauftrag zu, regt aber eine Überprüfung der Folgen für benachteiliget Familien an.

Für die Finanzierung der Pflegekosten schlägt er vor, diese zusätzlich aus dem Risikostrukturausgleich zwischen den sozialen und privaten Pflegeversicherungen, aus Einsparungen nach der Steuerfinanzierung der Krankenkassenkosten für Kinder und durch den Aufbau eines Kapitalstockes für die Pflege zu finanzieren. Die private Vorsorge hält er für problematisch, da sich dies bereits die mittleren Einkommen nicht leisten können, ganz zu schweigen von den geringeren Einkommen. Neher sagt: „...unsere Gesellschaft darf es sich nicht länger leisten, die Kosten für eine menschenwürdige Pflege kommenden Generationen zu überlassen.“

Neher sieht die Kirche an vielen Orten als „Stifter von Solidarität“. Dass es sich dabei nicht um eine „Nebentätigkeit“ handelt, sieht er in der Enzyklika „Deus Caritas est“ von Papst Benedikt XVI. bestätigt: „Die Kirche kann den Liebesdienst so wenig ausfallen lassen wie Sakrament und Wort.“ Neher folgert daraus: „Wir sind dann Kirche Jesu Christi, wenn wir uns nicht hinter heilige Mauern zurückziehen, sondern als Kirche mitten unter den Menschen leben- uns berühren lassen von der Lebenswirklichkeit der Menschen wie der Samariter im Gleichnis bei Lukas!“

Über das Kolpingwerk sagt Neher: „Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele Menschen sich in Deutschland, aber auch weltweit von der Idee eines Adolph Kolping anstecken lassen und sich in Kolpingsfamilien engagieren.“

Schwabens ehemaliger Regierungspräsident Ludwig Schmid, Vorsitzender des Kolping-Bildungswerkes in der Diözese Augsburg, dankte Caritaspräsident Neher für seinen aufbauenden und praktischen Vortrag.

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